

russisches Tagebuch
Ich schreib dieses Tagebuch vor zwei Jahren während meiner Reise um die Welt. Ich schrieb in Betten, Zugabteilen, auf der Straße, an Tischen kleiner Hotelzimmer. Überall dort, wo sich mir die Zeit und der Raum bot die flüchtigen Gedanken meines überforderten Geists festzuhalten.


Nachdem ich zurückkam von der Reise, die mich über China hinaus noch weiter in die Welt getrieben hat, verschwanden die Notizen in einer Schublade meines schweren, dunklen Schreibtisches und wurden erst zwei Jahre später von mir wiederentdeckt. In einer Zeit, in der man gefangen war, zuhause, darauf wartend, dass sich die Welt einem wieder öffnet, verlor ich mich in meinen eigenen, kleinen Erzählungen und hoffe darauf, sie eines Tages noch einmal so zu spüren, wie ich sie in dem Moment spürte, als ich sie mir mit Bleistift notiert habe.
- Nils Eberwein 10.11.2020




